In Deutschland ist der Wunsch nach einem Führerschein ungebrochen. Im Jahr 2022 wurde ein neuer Rekord bei der Zahl der Führerscheinprüfungen erreicht, wie der TÜV-Verband bekannt gab. Allerdings stieg auch die Quote der Durchfaller enorm an. Laut dem Verband bestanden im vergangenen Jahr 39 Prozent der theoretischen Prüfungen für alle Fahrerlaubnisklassen nicht. Bei den praktischen Prüfungen fielen 37 Prozent der Fahrschüler durch. Eine nicht bestandene Prüfung kann für Fahrschülerinnen und Fahrschüler sowohl finanziell als auch mental belastend sein.

Die Suche nach den Gründen für die hohe Durchfallquote gestaltet sich schwierig. Ein Faktor ist laut Prüforganisationen der zunehmend komplexe und dichte Straßenverkehr. Richard Goebelt, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, betont jedoch auch die Bedeutung von Aufklärung in Schulen und Elternhäusern über Verkehrssicherheit. Auffällig ist zudem, dass die Durchfallquoten für den Führerschein mit 17 um einige Prozentpunkte geringer sind als jene für den normalen Autoführerschein der Klasse B.

Trotzdem stieg die Anzahl der Prüfungen im Jahr 2022 auf einen neuen Spitzenwert von etwa 3,6 Millionen, was den bisherigen Spitzenwert von 2019 um rund 20.000 praktischen Prüfungen überschritt. Die Zahlen waren in den Jahren 2020 und 2021 pandemiebedingt gesunken, da viele Fahrschulen zeitweise geschlossen waren. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände sprach zum Jahreswechsel ebenfalls von einer großen Nachfrage nach dem Führerschein und führte dies auf Einsparungen während der Corona-Pandemie zurück. Die Menschen hätten weniger Geld etwa für Reisen ausgegeben und “haben so Geld übrig, um Luxus-Führerscheine wie den fürs Motorrad zu machen”, sagte der Vize-Vorsitzende Kurt Bartels der dpa.

Die Fahrprüfungen wurden in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt, was dazu beigetragen hat, dass immer weniger Fahranfänger verunglücken. Laut dem TÜV ist die Zahl der bei Verkehrsunfällen gestorbenen 18- bis 24-Jährigen von knapp 2750 im Jahr 1991 auf 326 im Jahr 2020 gesunken. Zudem werden immer mehr Führerschein-Prüfungen mit einem Automatikauto gemacht, wie der Bundesverband deutscher Fahrschulunternehmer vor einigen Wochen mitteilte. Auch die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) berichtet, dass immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer solche Wagen fahren wollen.

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